In der Schwangerschaft
Die schwangere Patinetin in der Zahnbehandlung
Bitte sprechen Sie die Einnahme von Medikamenten immer mit Ihrem behandelnden Arzt ab!
Die Lagerung der Patientin am Zahnarztstuhl
Die vergrößerte Gebärmutter (das Volumen steigt von 10 ml auf 5000 ml an) übt einen Druck auf die Aorta (Schlagader) und auf die untere Hohlvene aus. Dadurch wird der Blutrückfluss zum Herzen erschwert, der Blutdruck in der unteren Körperhälfte sinkt, und die Perfusion (Ernährung) der Plazenta wird verringert. Dieses sogenannte „Cava-Syndrom“ verursacht den Patientinnen ein Unwohlsein und Schwindelgefühl. Eine leichte Drehung nach links oder Hochlagerung der rechten Hüfte vermindert die Symptomatik.
Lokalanästhesie
Bei den Lokalanästhetika spielt die Plasmaeiweißbindung eine große Rolle. Bei Substanzen die Articain (Ultracain®), Bupivacain oder Etidocain mit einer Plasmaeiweißbindung von über 90% können nur mehr die nicht gebundenen 10% in den fetalen Kreislauf übertreten. Präparate wie Lidocain, Mepivacain oder Prilocain sind nur zu 70% an das Plasmaeiweiß gebunden und sollten daher bei schwangeren Patientinnen nicht gegeben werden.
Vasokonstriktorische Zusätze wie Noradrenalin und Adrenalin werden zwar in der Plazenta in nicht aktive Metaboliten abgebaut, können aber durch eine Stimulation der Alpharezeptoren eine Minderdurchblutung der Plazenta und dadurch zu einer reaktiven Tachycardie des Fetus führen. Günstig wirkt sich Adrenalin in höherer Verdünnung (1:200.000) aus, da es zusätzlich auf Beta-2-Rezeptoren wirkt und hat damit einen gefäßerweiternden Einfluss ausübt.
Für Lokalanästhetika mit hoher Plasmaeiweißbindung und hoher Adrenalin-Verdünnung liegen keine Berichte über eine keimschädigende Wirkung vor.
Chlorhexidinspülungen
Mundspülungen mit Chlorhexidin können in der Schwangerschaft bedenkenlos vorgenommen werden, soferne die auch sonst gültigen Dosierungsvorschläge eingehalten werden. Es gibt sogar Berichte über den monatelangen Einsatz chlorhexidinhältiger Spülungen bei Schwangeren, ohne dass unliebsame Arzneimittelwirkungen aufgetreten wären.
Analgetika (Schmerzmittel)
Glücklicherweise gibt es ein schmerzstillendes Medikament wie das Paracetamol, das sich für schmerzlindernden Therapie bei Schwangeren hervorragend eignet. Bei normaler Dosierung sind bisher keine negativen Auswirkungen beobachtet worden.
Bewährte Hausmittel wie Aspro/Aspirin sollte in der Schwangerschaft nicht verwendet werden (Blutverdünnung und Wehenhemmend). Auch der Einsatz anderer schmerzstillender Präparate kommt nur in eingeschränkter Form in Frage und muss von Fall zu Fall neu entschieden werden.
Antibiotika
Es gibt vier antibiotische Substanzen, die sich hervorragend zum Einsatz in der Schwangerschaft eignen:
• Penicillin
• Ampicillin
• Cephalosporine und
• Clavulansäure
Sollte sich keines der vier genannten Substanzgruppen eignen, müssen andere, geeignete Antibiotika eingesetzt werden, da eine unbehandelte schwere Infektion der Mutter für den Fetus eine schwere Belastung und Gefahr darstellt durch die sich ungehemmt vermehrenden Bakterien. Im Einzelfall empfiehlt sich, eine entsprechende Fachabteilung und/oder den Gynäkologen zur Entscheidungsfindung einer antibiotischen Therapie hinzuzuziehen.
Bitte fragen Sie immer Ihren behandelnden Arzt vor der Einnahme von Antibiotika bezüglich der Indikation und Notwendigkeit!
Röntgendiagnostik
Das Risiko einer zahnärztlicher Röntgenaufnahme für den Fetus ist extrem niedrig. Die Strahlenbelastung für den Fetus ist 500.000 mal (und bei einer Panoramaaufnahme noch immer 50.000 mal) geringer als der sogenannte kumulative Grenzwert von 50 mgray. Damit ist die Strahlenbelastung eines Zahnröntgens in der selben Größenordnung wie die natürliche Belastung (Hintergrundbelastung) durch die Röntgenstrahlen aus dem Boden, von den Bergen oder aus dem Weltall.
Wir führen nur unbedingt notwendige Röntgenaufnahmen durch und verschieben, wenn immer es geht, alle Aufnahmen auf die Zeit nach der Entbindung.

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